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Verband

Ein Nachmittag mit Roger Federer

Swiss Tennis lud die Nachwuchskader nach Biel. Am Ende des Tages stand der grösste Schweizer Sportler aller Zeiten auf dem Platz und sprach über etwas, das niemand erwartet hatte.

Ein Nachmittag mit Roger Federer
Roger Federer spricht mit Nachwuchsspielern von Swiss Tennis

Es gibt Tage im Jahr eines Nachwuchsspielers, die im Trainingsplan stehen wie jeder andere auch, und es gibt Tage, von denen man noch in zwanzig Jahren erzählt. Der Anlass in Biel gehörte zur zweiten Sorte.

Swiss Tennis hatte die Nachwuchskader ins nationale Leistungszentrum geladen. Auf dem Programm standen Einheiten mit den Verbandstrainern, ein Austausch über Saisonplanung und ein gemeinsames Abendessen. Was nicht im Programm stand: dass Roger Federer am Nachmittag durch die Hallentür treten würde.

Keine Show, ein Gespräch

Wer erwartet hatte, dass ein solcher Besuch aus Fotos und Autogrammen besteht, wurde überrascht. Federer stellte sich in einer Gruppe von vier Spielern an die Grundlinie und begann zu fragen. Wie viele Stunden trainiert ihr? Was macht ihr nach einer Niederlage? Wer von euch spielt lieber Vorhand, wer lieber Rückhand?

Levin stand rechts aussen. Er hörte zu, mehr als er redete, und nahm am Ende einen Satz mit, den er seither mehrmals wiederholt hat: dass niemand ein Spiel gewinnt, indem er den perfekten Schlag sucht, sondern indem er den nächsten Ball richtig trifft.

Das klingt schlicht. Für einen Dreizehnjährigen, der auf internationalen Turnieren zum ersten Mal auf Gegner trifft, die genauso viel trainieren wie er, ist es die Antwort auf eine Frage, die man sich in dem Alter täglich stellt: Warum reicht es manchmal nicht?

Was ein Vorbild wirklich bewirkt

Die Schweizer Tennisgeschichte der letzten dreissig Jahre lässt sich als Kette solcher Momente erzählen. Federer selbst hat als Junior in Biel trainiert, im selben Zentrum, in derselben Halle. Dass er heute zurückkommt und mit denen spricht, die jetzt dort stehen, ist keine Marketingübung, sondern die Weitergabe von etwas, das sich schlecht in Zahlen fassen lässt.

Für die Familie eines Nachwuchsspielers hat so ein Tag noch eine andere Wirkung. Er macht sichtbar, dass hinter dem Weg ein System steht: ein Verband, der fördert, Trainer, die begleiten, und eine Gemeinschaft von Gleichaltrigen, die dasselbe Ziel verfolgen. Wer von aussen nur die Reisekosten und die Turnierpläne sieht, übersieht leicht, wie viel davon getragene Arbeit ist.

Zurück in den Alltag

Am Tag darauf war der Trainingsplan wieder derselbe wie in jeder anderen Woche. Aufschlagserien am Morgen, Athletik am Nachmittag, abends Schule. Der Unterschied liegt nicht im Plan, sondern in der Antwort auf die Frage, wofür man das alles macht.

Levin hat den Nachmittag in einem Satz zusammengefasst, der die ganze Sache besser trifft als jede Analyse: Er hat genau gleich geredet wie einer, der noch etwas vorhat.